Radl fahrn in Minga: A bierernste Sach

Vom Dorf dahoam

Von A nach B mit Passion: Wer sich in München auf sein Fahrrad schwingt, unterzieht sich einem knallharten Wettkampf.

Wenn ich in meinem zweiten Sommer, den ich in der bayerischen Landeshauptstadt verbracht habe, eines gelernt habe, dann ist das Folgendes: Radl fahren in München… des is a bierernste Sach. Da kriegt der Spaß ein Loch! Denn wer gemütlich vor sich hin strampelt, der ist den anderen immer im Weg.

In der Friah geht’s scho los: Wenn ich mich um halb acht verschlafen auf mein lila Fahrrad der Marke Rixe schwinge, hab ich noch Sandkörner vom Sandmann in den Augen, wünsche mich zurück in mein Bett. Doch dieser Zustand ist vorbei, sobald ich mich auf den Radlweg begebe.

Denn hier ist es als Vertreter der bayerischen Gemütlichkeit von Vorteil äußerst Obacht zu geben…

In Sekundenschnelle kann es nämlich passieren, dass sich aus dem Nichts das Geräusch über den Asphalt rasender Fahrradreifen nähert. Der Mensch auf dem Sattel trägt meistens einen Helm, der aerodynamisch geformt ist, eine hautenge Radlerhose sowie ein atmungsaktives Oberbekleidungsstück.

Die Wechselklamotten befinden sich vermutlich in der über den hinteren Reifen festgeschnallten Satteltasche. In der Arbeit wird dann erstmal geduscht, die Wettkampf-Kleidung aus und die Büro-Uniform angezogen. Gibt es im Büro nicht die passenden Sanitäranlagen, müssen die Kollegen halt leiden. Aber Sport und die eigene Gesundheit sind eben wichtiger als das vielleicht empfindliche Riechorgan des Schreibtisch-Nachbarn.

Die Fortbewegung auf dem Drahtesel ist für viele nicht nur eine umweltbewusste Alternative  zum eigenen Kleinwagen oder gar den schrecklichen Querelen des MVV. Nein, Radl fahren ist weit mehr. Es gilt als Passion. Es ist ein Wettkampf. Und in solchen gilt bekanntermaßen: Wer langsam fährt, verliert.

Würde es nach den Fahrradfahrern hier in München gehen, müsste ich eigentlich als der langsamste Mensch auf der ganzen Welt ins Guinnessbuch der Rekorde eingehen. Während mein Fahrrad als Oldtimer wenn nicht gar als schrottreife Klapperkiste durchgeht, sind die Radl der meisten Mitstreiter nämlich die Ferraris unter den Drahteseln. Eltern hingegen transportieren sich und ihren Nachwuchs hingegen gerne auf dem SUV unter den Fahrrädern: dem aus Skandnavien  stammenden Lastenfahrrad.

Nun hält langsam der Winter Einzug, es wird kalt. Doch… einen echten Münchner Radlfahrer hält das natürlich nicht auf. Je schneller man jetzt fährt, desto schneller entkommt man nun nämlich den eisigen Temperaturen, kann sich in der warmen, oft schlechten Luft des Großraumbüros wieder auf normale Betriebstemperatur fahren. Gemütliche Fahrradfahrer wie ich steigen dann sowieso auf den öffentlichen Nahverkehr um. Und dann ist die Bahn wieder frei… für ungebremstes Fahren.

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