I red Boarisch. Und du?

Vom Dorf dahoam

„Sie ist eine junge Frau mit festem Schuhwerk und bayerischem Akzent.“ 

Was soll dieser Satz, wird sich so mancher nun fragen – der Anfang eines Heimatromans?

Aber nicht doch… worauf ich stattdessen hinaus will: Mit dem Dialekt in der bayerischen Landeshauptstadt Minga ist des so a Sach: Es gibt ihn, aber teilweise ist er nur zu finden, wenn man sprichwörtlich nach der Nadel im Heuhaufen sucht. Als Niederbayer vom Dorf hat man es da schwer  – oder zumindest nicht ganz leicht.

Dabei ist Sprache oder der Dialekt im Speziellen etwas, das wie kein anderes Merkmal die Identität eines Menschen prägt. Was für ein Mensch bin ich also, wenn ich verleugne, verberge oder ganz verloren habe, woher ich komme… Wenn aus meinem Mund Sätze kommen wie „Mann, bin ich froh, dass ich mir meinen Dialekt abtrainiert habe“.

Aber nochmal zurück zum Anfang… „Sie ist eine junge Frau mit festem Schuhwerk und bayerischem Akzent.“ Noch keine fünf Sätze waren während einer Fortbildung bei der Vorstellungsrunde aus meinem Mund gesprudelt, da wusste jeder schon: „AHA! Die ist aus Niederbayern!“ Im Grunde müsste ich mich für diesen ersten Eindruck, den ich offenbar hinterlasse, nicht schämen – sondern freuen. Weil meine Art zu sprechen ein Merkmal ist, das meine Identität ausmacht und mich von der batzigen Standartsprach-Masse abhebt. Und doch ist es mir irgendwie zwider… dass ich so red, wie ich red.

Aber warum? Weil meine Bemühungen, hochdeutsch zu sprechen von anderen nicht anerkannt werden? Weil ich meine Herkunft verleugnen will? Das ist beides nicht der Fall – Bayerisch ist die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann, in der ich am besten granteln oder gfrein kann und mit der ich mich am allermeisten identifiziere.

Ich habe mich geärgert, weil tief in mir der Gedanke sitzt, dass ich als Dialektsprecher nicht ernst genommen werde. Weil – sobald man den Mund aufmacht – Sätze fallen wie: „Das ist so süß, wenn du versuchst, hochdeutsch zu sprechen“.

„Mit dir rede ich nicht, du redest Niederbayerisch“ ist allerdings immer noch mein oberster Favorit. Da bleibt dir doch als Dialektsprecher die Luft weg. Und das ist nicht mal in München passiert. Sondern in Passau. In Passau, im tiefsten Niederbayern überhaupt. Also manchmal da fragst dich schon: San de Leid vielleicht a bissal bläd?! Da kannst ja narrisch werden.

Weinen könnt ich hingegen, wenn ich von gebürtigen Bayern erzählt bekomme, wie froh sie doch sind, dass sie ihren Dialekt abgelegt haben. Außerdem habe ich gelernt: Jugendliche in München sprechen kein Bayerisch. Das ist nämlich uncool. Aber dann geht man aufs Oktoberfest, auf „die Wiese“ – in Tracht natürlich – und lässt sich voll laufen. Wenn der Liter Bier nämlich für zehn Euro verkauft wird, ist Tradition und „Mia san mia“ auf einmal wieder cool. Nach der fünften Maß redet man dann vielleicht auch mal mit einem Niederbayern.

Dass es abgesehen von Bier, Giggerl und Brezn noch ganz viele andere tolle bayerische Wörter gibt, wird dabei häufig vergessen:

MyCloud

2 Kommentare bei „I red Boarisch. Und du?“

  1. Wie wahr, ich unterschreibe jedes Wort. Und steuere eine Anekdote bei: im Germanistik-Studium wurden wir bairisch redenden gerne gebeten, doch Hochdeutsch zu sprechen. Von Rheinländern, Hessen und Berlinern 😉 liebe Grüße von einer waschechten Holledauerin

    1. Ja Servus! Vielen lieben Dank für den Kommentar. Da ist mir schon ein bissal das Herzal aufgegangen, als ich ihn gelesen hab 🙂

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