Der Maibaum

Es gibt schon lustige Traditionen in Bayern. Eine davon dreht sich um den Maibaum.

Den kann man aufstellen, klammheimlich stehlen oder rauf kraxeln. Aber was ist ein Maibaum überhaupt, warum stellt man sowas auf und wieso gibt es Menschen, die wild drauf sind, so ein tonnenschweres Ding zu entführen?! Vom Dorf dahoam liefert die Fakten.

Es ist mal wieder soweit: Tagelang wurde er bewacht und gehütet wie ein Augapfel, geschmückt und fein gemacht für seinen großen Auftritt. Der Maibaum. Das Aufstellen des letztgenannten zählt neben Volksfestbesuchen, Bier trinken und in Tracht herumlaufen zu den beliebtesten Traditionen im schönen Bayernland. Wikipedia sagt allerdings, dass wir Bayern das Maibaumaufstellen nicht erfunden haben und sogar die Preißn solche Bäume auf ihre Dorfplätze stellen. Fragt sich nur, wer damit angefangen hat.

„Der spezielle Brauch mit dem damit verbundenen Dorf- oder Stadtfest, das in der Regel am 30. April, am 1. Mai oder an Pfingsten stattfindet, ist in vielen Teilen Mittel- und Nordeuropas verbreitet, in Skandinavien jedoch eher zu Mittsommer (bzw. am Johannistag). In der Schweiz ist der Brauch des Maibaumaufstellens in den ländlichen Gemeinden anzutreffen.“ (Wikipedia)

Die Maibaum-Tradition ist also ein internationales Gesprächsthema und kann bei Smalltalk-Nöten überall aus der Welt aus dem Hirnkastl gezogen werden. Wieder was gelernt! Dabei kann dann auch erwähnt werden, dass es einen Streit darüber gibt, woher das Maibaum-Aufstellen denn nun eigentlich stammt. Ein Ursprungsgerücht besagt zum Beispiel, der Brauch stamme von germanischen Baumriten ab, mit denen die wilden, germanischen Krieger ihre Waldgottheiten verehrt haben. Die spinnen, die Germanen!

Weithin gilt der tonnenschwere Maibaum als Zeichen der Fruchtbarkeit. Diese Symbolik hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert – den Jahren der Romanitk und der Sehnsucht. Der Maibaum wurde zu dieser Zeit als „kultischer Riesen-Phallus“ gedeutet, der als Fruchtbarkeitssymbol für reiche Ernte sorgen sollte“. Aha!

Wie auch unter manch männlichen Jugendlichen im pubertären Alter üblich, kommt es alljährlich unter den Dörfern in Bayern zum Wettstreit, wer denn nun den schönsten und längsten… Maibaum besitzt. In jeder Region kann der Maibaum nämlich anders aussehen. Manche sind bis zu 30 Meter lang, manche werden mit und manche ohne Rinde aufgestellt, mit bunten Bändern behängt oder mit Tafeln geschmückt, in den Farben der bayerischen Flagge bemalt oder mit einem oder mehreren Kränzen verziert.

Dass da manch einer ganz neidisch wird auf den Baum des Nachbardorfs, versteht sich von selbst. Und daher ist der Brauch des Maibaumstehlens auch nur allzu naheliegend. Zwischen benachbarten Gemeinden herrscht oft ein regelrechter Maibaum-Krieg: Das eine Dorf klaut dem anderen das Zeichen der Fruchtbarkeit und die beklaute Dorfgemeinschaft hat seine liebe Not den Maibaum wieder zurückzuerobern. Meistens lassen sich die Entführer aber mit einem Bier und einer gscheidn Brotzeit bestechen und das Ganze endet in einer feuchtfröhlichen Veranstaltung.

Hier geht’s zum Einmaleins für Maibaum-Strategen – eine Anleitung, wie der Maibaumklau gelingen oder wie man ihn bei Bedarf verhindern kann.

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