Von der Illusion

Vom Dorf dahoam

Auf dem Land ist die Welt noch in bester Ordnung… Oder?!

Trotz steigender Lebenserfahrung versuche ich an der kindlichen, ja vielleicht im niederbayerischen Gemüt verankerten Illusion „Bei uns im Dorf ist wenigstens noch alles in bester Ordnung“ festzuhalten. Doch ab und an passiert es, dass diese grundlegende Überzeugung in Grund und Boden erschüttert wird – wie zum Beispiel heute als mich plötzlich ein unbandiger Bewegungsdrang packte und ich mich zum harmlosen Spaziergang in das dorfeigene Gehölz begab.

Nichts ahnend begebe ich mich auf meinen üblichen Rundgang – auf den Weinberg hinauf, am Schlittenbergal vorbei und weiter den Weg entlang. Plötzlich hinter mir Radl-Geräusche. Aha, die zwei kleinen Buben hat’s bei dem schönen Wetter auch aus dem Haus gezogen, freue ich mich. Oder vielleicht sind sie von den Eltern gezwungen worden, der Computer und der Fernseher haben den Kampf der Kindererziehung also doch noch nicht gewonnen, es besteht Hoffnung. Das denkt mein naives Hirn.

Ich halte an, bewundere Buschwindröschen, mache ein Foto, weil die Blümchen gar so schön sind. Die Buben radln währenddessen an mir vorbei und schauen ein wenig herüber. Mei, sind sie halt neugierig. Langsam setze ich den Spaziergang fort. 20 Meter vor mir bremsen die Fahrradreifen. Mit meinem Blumensträußlein in der Hand will ich vorbeilaufen und „Grüß Gott“ sagen, so wie sich das auf dem Land eben gehört.

Buschwindröschen // Foto: Theresa Bergbauer
Buschwindröschen // Foto: Theresa Bergbauer

Und da erschüttert es meine Illusion von der von Gutmenschen beseelten niederbayerischen Dorfwelt: „Warum läufst du die ganze Zeit hinter uns her?“, spricht der Kindermund. „Verfolgst du uns?“ Entrüstet verneine ich das. Wie die beiden denn auf so einen Schmarrn kommen würden?! Die Antwort: „Wir sind schon mal gestalkt worden, aber jetzt können wir ja gechillt weiterfahren!“

Also manchmal fragst dich schon… nicht mal mehr allein spazieren gehen kann man, ohne verdächtig zu wirken. Wer daran schuld hat, dass Kinder alltägliche, zwischenmenschliche Begegnungen mit derart negativen Situationen assozieren, kann ich an dieser Stelle nicht zu 100 % beantworten. Doch der Verdacht liegt – wie bei so vielem, das in unserer Gesellschaft verkehrt läuft – auf den Medien. Ein bisschen weniger Negativismus in der täglichen Berichterstattung tät wohl nicht schaden.

Ein Kommentar bei „Von der Illusion“

  1. Host Du ebba mein Nachbar verfoigt? 😉

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